Residenzen

DIE QUADRIGA (Berlin/Dresden)

Seit 2020 hält die gemeinsame Suche nach neuen, starken Formen für das Performative DIE QUADRIGA in Atem und in Bewegung. Rike Schuberty, Veronika Thieme und Ulrike Langenbein, wohnhaft in Berlin, haben an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin studiert. Marie Bretschneider, gebürtig und wohnhaft in Dresden, studierte an der Schauspielschule Leipzig. Alle arbeiten hauptberuflich als Darstellerinnen und Regisseurinnen und seit 2012 in wechselnden Konstellationen zusammen. Ulrike Langenbein arbeitet auch als Ausstatterin und Puppenbauerin. Sie leitet ein Atelier in Berlin, stattet mit ihren Puppen Theaterproduktionen im deutschsprachigen Raum und eigene Produktion aus. Rike Schuberty ist zusätzlich Musikerin, spielt Gitarre, singt und produziert eigene Lieder und Sounds. Veronika Thieme und Marie Bretschneider sind neben ihrer Arbeit als Schau- und Puppenspielerinnen auch als Dozentinnen an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin und der Hochschule für Schauspiel Leipzig tätig.

»Wir wollen mit unserer Theaterarbeit dem ganzen Treiben da draußen und den Wirrungen im Inneren etwas entgegensetzen. Wir suchen nach Übersetzungen für die Realität ins Verrückte. Material, Raum und Darsteller stellen in der Realität nicht immer eine Einheit dar und sie können sich auch auf der Bühne wiedersprechen. Uns interessiert: Was kann die Puppe? Was kann der/die Darsteller/in? Surreale Räume erschaffen und Tote wiederbeleben sind unser Spezialgebiet. Wir spielen mit Puppen, die Puppen mit uns.«

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CIE. FREAKS UND FREMDE (Dresden)

Sabine Köhler und Heiki Ikkola arbeiten seit 2006 als Compagnie zusammen und versammeln für ihre Projekte Theatermacher, Bildende Künstler und Musiker in Teams, die über längere Zeiträume Arbeits- und Lebensstrategien ausprobieren und weiterentwickeln. Ihr regelmäßig zusammenarbeitendes Team besteht aus Theatermacher*innen, Musikern und Techniker*innen, etliche andere Künstler*innen arbeiten regelmäßig mit ihnen zusammen oder im Umfeld der Compagnie. Ihr Credo ist die Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Unbekannten, dem Unmöglichen. Der Ausdruck von Freaks und Fremde hat seinen Ausgangspunkt in der Puppenspielkunst, Sabine Köhler und Heiki Ikkola haben an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin ihr Handwerk erlernt und sind dem Ort ihrer Ausbildung als Dozenten und Partner weiterhin eng verbunden. 2015 erhielt die Compagnie den Kunstpreis der Stadt Dresden und 2017 institutionelle Förderung.

»Wir akzeptieren keine Genregrenzen, sind aber kein Gemischtwarenladen. Der virtuose Umgang mit physischen Ausdrucksformen, Elementen des Puppentheaters, mit Objekten, Projektionen und Perspektiven eröffnet uns einen weiten Erzählkosmos, die Welt wird zum Spielelement und die Akteure sind Teil der Versuchsanordnung. Unser zentrales Thema: Die Begegnung mit dem Fremden als Problem und Chance.«

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POST THEATER (Stuttgart/Berlin)

Das Team um Max Schumacher und Hiroko Tanahashi ist eine international arbeitende, freie Gruppe. Sie erforscht die Kombination analoger und digitaler Medien mit den Mitteln der Darstellenden Kunst und experimentiert mit allen künstlerischen Ausdrucksformen. Aus Deutschland und Japan stammend, in New York zur Company vereint, leben sie nun in Berlin und in Stuttgart. Dresden soll in den zwei Residenzjahren 2021/2022 ihr drittes Standbein werden.

»Wir wissen um die politischen Spannungen in Dresden, die die Kultur vor besondere Herausforderungen stellt - und damit ihr möglicherweise mehr Relevanz zukommen lässt als in der Blase Berlin, wo wir es kaum schaffen, ein Publikum anzusprechen, dass wirklich anders ist als wir selber - weil es so viele Gleichgesinnte gibt. Der Hauptgrund aber, warum wir Dresden spannend finden, ist seine überregional nur schwach wahrgenommene Rolle als Technologiestandort. Uns interessiert, wie sehr das Silicon Saxony in den Köpfen der allgemeinen Bevölkerung angekommen ist. Ist Dresden wirklich IT Avantgarde? Spiegelt sich das in der Stadtgesellschaft wider? Und ist das in der Kunst auch angekommen? Wir sind eine Medien-Theater-Company. Wir arbeiten seit fast 20 Jahren mit immer wieder neuen Medien und Techniken. Die Digitalisierung beschäftigt uns gleichermaßen als Stückinhalt, als Themenbereich - wie auch formal - für unsere Theaterformen. Die technischen Mittel sind für uns keine Hürden, die Produktionen aufwändiger machen, sondern Hilfsmittel, die Touring und Adaptionen vereinfachen. Ein großer Teil der von uns verwendeten Geräte befindet sich in unserem Besitz und ist hochmobil. Wir planen pro Spielzeit je eine neue Arbeit mit lokalem Bezug und Recherchen in Dresden (und dem weiteren Sachsen).«

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Das Stipendienprogramm flausen+

Für das Förderprogramm #TakeCareResidenzen kooperiert flausen+ mit dem Fonds Darstellende Künste, um mit seinem Stipendiennetzwerk freischaffende Künstler:innen zu unterstützen. #TakeCareResidenzen hat zum Ziel, ausgewählte, frei produzierende Künstler:innen und Gruppen, die durch die Covid-19-Pandemie und die Einschränkungen im kulturellen Sektor existenziell betroffen sind, für jeweils mindestens zwei Monate zu begleiten und zu stärken. Die Künstler*innen, die dieses Stipendium in Kooperation mit dem Societaetstheater durchführen, stellen wir hier vor...

 

 

Momo Ekissi

»Liebesgesänge«

Momo Ekissi wurde unter dem Namen Ekissi Eugène Moumon in der kleinen Stadt Tiassalé, rund 100 Kilometer der ivorischen Metropole Abidjan geboren. Heute lebt und arbeitet er in Freiburg. Er ist Regisseur, Schauspieler und Erzähler.

»Momo - unter diesem Namen kennen mich die meisten - Sowohl die Erwachsenen, als auch die Kinder, mit denen ich sehr gerne arbeite. Das Theater ist meine Leidenschaft aus der glücklicherweise mein Beruf geworden ist. Nach dem Studium (Jura und Theaterwissenschaft) habe ich mich ausschließlich der Kunst zugewandt, die Menschen zu den Menschen führt und unsere Unterschiede als gemeinsamen Reichtum erkennt. Aufgrund meiner Erfahrungen, meiner Reisen und meiner Begegnungen bin ich zu einen Kulturvermittler geworden, einem Brückenbauer, einem Bindestrich. Das Beste, was mir in diesem Sinne passieren konnte, ist diese Künstlerische Residenz mit dem Projekt #takecare. Sie gibt mir die Möglichkeit, meine Herzensangelegenheit, die ich »Liebesgesänge« nenne, zu verwirklichen.«

 

 

 

Shahab Anousha

»Szenische Forschung zu performativen Verhältnissen von Körper und Abwesenheit«

Shahab Anousha ist in Teheran geboren und lebt seit ein paar Jahren in Berlin. Er studierte lange Zeit Theater und Performance, war aber gleichzeitig bei verschiedenen Gruppen als Performer tätig. Nach seinem Studium »Performance Studies« in Hamburg begann er auch als Dramaturg zu arbeiten. In seinem aktuellen Forschungsprojekt stellt er die potenzielle Macht der »Abwesenheit« der Macht der sogenannten »Präsenz« eines Körpers gegenüber.

»Wenn man in der Theorie von »Körper« spricht, meint man ein Phänomen, das sich ständig verändert und stets eine neue Seite von sich selbst zeigt. Diese konstante Veränderung des Körperverständnisses ist natürlich auch Teil des Theaters, in dem der Körper zu einem Material wird, das mit Haut, Haar, Fleisch und Blut sowie in digitalen Transformationen gezeigt werden kann. Ich möchte dafür performative Übersetzungen finden und im Rahmen des Residenzprogramms am Societaetstheater ausprobieren.«

 

 

Yamile Anaid Navarro Luna, Daniel Williams & Sabine Köhler

»OURDARKNESS«

Yamile Anaid Navarro Luna (Mexico City) studierte Tanz in Mexico, Barcelona und Dresden. Sie arbeitet als freie Tänzerin, Performerin und Choreographin eigener Produktionen und in Kooperation mit verschiedenen Künstlern und Companies.
Daniel Williams (Schottland) studierte Literatur und Musik in Oxford und Edinburgh. Als freier Komponist ist er vor allem im Bereich Tanztheater und Theater tätig und veröffentlicht eigene Alben auf phonecake.org.
Sabine Köhler (Berlin) studierte Puppenspielkunst in Berlin. Sie gehört zum Team der Cie. Freaks und Fremde und arbeitet als freie Darstellerin, Performerin und Puppenbauerin im Bereich des Objekt- und Puppentheaters und in Kollaboration mit Künstlern anderer Genres.

Drei KünstlerInnen, drei Menschen - experimentieren mit der Dunkelheit und tauschen uns aus: Über Theater und Albträume; über Bewegung, Denken und die Illusion; über Gott und die Welt, Manns- und Weibsbilder; über begrenzte Möglichkeiten und schwarze Löcher des Universums. OURDARKNESS ist eine Untersuchung zur Verständigung und Verbindung unserer Genres in Beziehungen mit fließenden Grenzen: Authentizität - Inszenierung; Theater - Performance; Tanz - Bewegung; Musik - Sound - Stimme; Objekt - Subjekt; Zuschauer - Performer; Ich - Du - Dunkelheit. Wir wollen uns mit uns beschäftigen, mit der Weiterführung unserer Begegnung im Leben und auf der Bühne; auf der Suche nach authentischem Dialog, nach dem Theater, das zwischen uns entstehen kann, wenn es (noch) keine genaue Vorstellung einer Vorstellung gibt. OURDARKNESS ist eine Frage der Zeit, eine Recherche mit ungewissem Ausgang.

»Die Nacht zwingt uns auf uns selbst zurück, denn die fassbare Welt wird unsichtbar. Wenn der visuelle Cortex, der analytische, alles Sichtbare verarbeitende Teil des Gehirns ausgeschaltet ist, verwischen Traum und Wirklichkeit. Gedanken strömen frei, unvernünftig, kreativ. Wir verhalten uns riskant, werden zutraulich oder betrügen. Dunkelheit enthemmt. Mentale Grenzen werden durchlässig. Im Innern geht der Vorhang auf. Unendlicher Raum, Bühne körperloser Schatten, Zeit des Kopftheaters.«

 

 

JuWie Dance Company

»Netzwerk und Kommunikation«

Die JuWie Dance Company ist dreiköpfige Tanztheatergruppe mit Arbeitsmittelpunkt in Dresden, gegründet 2013 von den Tänzerinnen Wiebke Bickhardt und Jule Oeft. Jule Oeft studierte am Zentrum für zeitgenössischen Tanz Köln. Seit 2011 ist sie als freischaffende Tänzerin in Dresden tätig. Sie ist künstlerische Leiterin, Tänzerin und Choreografin der Company. Wiebke Bickhardt studierte an der Palucca Hochschule für Tanz. Nach ihrem Abschluss 2011 arbeitete sie als freischaffende Tänzerin und Tanzpädagogin in Dresden. Sie ist Geschäftsführerin der Company. Benjamin Rottluff studierte Musikwissenschaft in Dresden. Seit 2018 arbeitet er als Musiker und Projektkoordinator für JuWie.

»Wir haben eine Vorliebe für Themen, die eher am Rande stehen oder gar aus dunklen Nischen hervorgeholt werden. Wir verbinden in unseren Stücken drängende gesellschaftliche Fragen mit individuellen Assoziationen und unserem persönlichen Zugang. Dabei nutzen wir die Mittel der Improvisation und des zeitgenössischen Tanztheaters genauso wie Impulse aus anderen Kunstgattungen. Die Residenz möchten wir nutzen, um zu unserem Kern, unserer Kunst, zurückzukehren. Wir nutzen die thematische Headline »Netzwerk und Kommunikation«, um auf unterschiedlichen Wegen die Bedeutung dieser Begriffe für unsere Arbeit zu (er-)klären. Einerseits sind wir abhängig von Netzwerken, anderseits tendieren wir dazu, uns in ihnen zu verlieren.  Auf welchen Wegen kommunizieren wir und wie können wir Missverständnisse vermeiden? Und was hat das alles mit Pilzen zu tun?«

 

 

Tanja Mette-Zimmermann

»13. Februar 1945 OFFENE WUNDE Tiefenschürfung vs. Schärfentiefe«

Tanja Mette-Zimmermann studierte Dramaturgie in Leipzig und Neue Medien in Dresden. Als freie Dramaturgin, Autorin und Kuratorin ist sie mit vielen Künstlern unterschiedlicher Genres tätig.

»Was ich mag: In Untiefen von Widersprüchen in der Historie hinabsteigen. Eintauchen. Und: auch wiederauftauchen. Was ich nicht mag: Wenn die Zeit dazu fehlt. Meine Residenz möchte ich nutzen, eine bereits langjährige Recherche und Auseinandersetzung mit dem 13. Februar 1945 in Dresden fortzuführen. Das Datum löst in Dresden seit Jahren gemischte Gefühle aus. Die Bombennacht von 1945 tritt dabei häufig in den Hintergrund der Auseinandersetzungen. Ein Ringen um die Deutungshoheit des geschichtlichen Ereignisses bestimmt die Debatten und das Agieren im öffentlichen Raum. Dabei gehen die Versuche, die persönlichen Erfahrungen und das Erleben des Einzelnen zu beleuchten, oft unter. »13. Februar 1945 OFFENE WUNDE Tiefenschürfung vs. Schärfentiefe« möchte Einzelschicksale in den Vordergrund der künstlerischen Auseinandersetzung stellen. Es ist eine individuell verhaftete Tiefenschürfung, eine Verortung individueller Schicksale. Konkret, unmissverständlich und berührend.«

 

 

Oda Jekaterina Pretzschner

»Zivilcourage versus privates Glück«

Oda Jekaterina Pretzschner schloss 1994 ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig ab. Ihre Engagements führten sie u.a. ans Staatsschauspiel Dresden, die Kammerspiele Magdeburg, das Schauspiel Köln, die Opernhäuser Basel und Lübeck, wo sie Sprechrollen in Opern übernahm, sowie ans Schauspiel Frankfurt am Main. Seit 2007 arbeitet sie freischaffend als Schauspielerin, Sprecherin und Moderatorin.

»Ich bin neugierig auf Menschen, ihre Geschichten, ihr Verhalten in bestimmten Situationen. Als Ausgangspunkt meiner Recherche habe ich mir die antike Figur Ismene herausgesucht, weil ich finde, dass sie für viele von uns steht. Sie ist eine Nebenfigur der Geschichte, eine, die nicht mutig war, die nichts Großes vollbrachte, die den Lauf der Ereignisse eher vom Rand her beobachtet hat. Keiner spricht über sie, aber jeder kennt ihre Schwester Antigone, ihren Bruder Polyneikes, ihren Vater Ödipus: alles »Helden«. Ich möchte Ismene eine Stimme geben. Ich werde ein Interview mit ihr führen, in welchem ich ihr Nicht-Handeln, ihr Verhältnis zum Heldentum, zu Feigheit, Mut, Verantwortung und der Frage, was ein gelingendes Leben für sie bedeutet, thematisiere. Dieselben Fragen stelle ich Menschen von heute aus allen Gesellschaftsschichten. In der Gegenüberstellung dieser Antworten interessiert es mich, herauszufinden, was Menschen dazu bewegt, in die Arena zu gehen und für etwas gerade zu stehen, oder wann sie für sich das Recht einfordern, sich ins Private zurückzuziehen und keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Wer empfindet wann überhaupt eine Verantwortung und handelt jeder, der sich verantwortlich fühlt, auch seinem Gefühl gemäß?«

 

 

Felicia Daniel

»Recherche zum Umgang mit Ausnahmesituationen anhand von »Bilder deiner großen Liebe«

Felicia Daniel ist freischaffende Regisseurin. In ihren Konzepten verbindet sie die Bildenden und Darstellenden Künste miteinander. Zudem arbeitet sie mit gehörlosen Schauspieler:innen zusammen und sucht mit ihnen nach Wegen, Theater für hörende und gehörlose Zuschauende zu inszenieren. 

Dem »Üblichen« entkommen: Ich frage mich, ob es nicht gesünder sein könnte, sich von dem Anspruch der »Normalität« und des »üblichen Verhaltens« zu lösen. Geht es mir gut damit, normal zu sein? Die Figuren in Wolfgang Herrndorfs Roman »Bilder deiner großen Liebe« lassen sich in ihrem Verhalten und Sein weder als normal noch als üblich beschreiben. Trotzdem haben sie scheinbar Bewältigungsmechanismen für ihr Leben gefunden, die sie so viel gesünder erscheinen lassen, als ich mich in meiner Schablone des Üblichen fühle. Wie kann ich neu und anders denken lernen? Gedanken verfertigen sich über Sprache. Wenn ich die Logik meiner Sprache anderen Kriterien unterwerfe, kann ich mich vielleicht von der Enge des Üblichen befreien und muss »normal« nicht länger als ein- und ausgrenzendes Element mit mir herumtragen. Um jeden Satz des Romans anders und neu zu denken, möchte ich die Residenz nutzen, um eine gebärdensprachliche Fassung des Textes zu erstellen. Ich möchte versuchen, den Text in Bildern und Gebärden zu denken und freue mich darauf, dafür Hilfe und Beratung von gebärdensprachlichen Expert:innen zu bekommen. 

 

Ariel Doron

»Essensspiele«

Ariel Doron ist als Regisseur für Figurentheater und Performer tätig. Er studierte Figurentheater an der School of Visual Theatre, Jerusalem und Film an der Tel Aviv Universität. Er arbeitete u.a. mit Maxim Gorki, TJG Dresden und der Schauburg in München. Mit seinen Solos wurde er in mehr als 30 Länder eingeladen, zwei seiner Stücke zur »Augenblick Mal« Biennale des Theaters für junges Publikum in Deutschland.

»Mit dem Projekt »Essensspiele« fordere ich dazu auf, den Ort zu erkunden, an dem wir Nahrung finden. Es betrachtet die Dinge, die wir anbauen, kaufen und essen und wirft einen genauen Blick darauf, wie wir Essen zubereiten und konsumieren. Ich untersuche verschiedene soziale Etiketten, wie Essen gegessen oder zubereitet werden »soll«. Ich werde darum bitten, das Essen, mit neuen Augen zu betrachten und dabei zu versuchen, nichts als selbstverständlich zu betrachten, sondern zu überprüfen, was für uns Essen ist, wie wir es angehen, was wir daraus lernen und wie wir Essen als Aktion neu denken können. Dies geschieht, indem Essen auf der Bühne zubereitet und mit verschiedenen Zubereitungsarten gespielt wird, auch beim Konsumieren und Servieren. Das Projekt wird mit verschiedenen Techniken der Live-Video- und Makrofotografie experimentieren, die es uns ermöglichen, tief in das Essen einzutauchen und viele kleine Details und Texturen zu entdecken, von denen wir normalerweise nicht einmal wissen, dass sie vorhanden sind, und so eine Reise in die Welt des Essens zu unternehmen.«

 

 

Thomas Dannemann

»Schlaf. Erzählung eines Auserzählten«

Thomas Dannemann wurde in Bad Saarow geboren. Er hat von 1990 bis 1994 an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch“ studiert und an vielen Theatern im deutschsprachigen Raum gespielt, unter anderem am Burgtheater Wien, am Deutschen Theater Berlin, der Schaubühne Berlin und dem Düsseldorfer und Hamburger Schauspielhaus. Ab 1999 begannen in Dresden seine ersten Regiearbeiten, die sich fortsetzten an Theatern in Bochum, Düsseldorf, Köln, München, Leipzig, Göttingen, Hannover, Frankfurt am Main und vielen mehr.

»Meine Residenz ist ein Recherche- und Schreibprojekt. Die Prämisse lautet: »Der Mensch ist ein Tier, dem man die Lage erklären muss“. Es ist ein Projekt über das verunsicherte, in Not geratene, nicht nur in die Welt, sondern auch auf sich selbst geworfene und sich daran erschöpfende Selbst, das Welten durchquert, auf der Suche nach einer Selbsterzählung, die auf Resonanz durch andere stößt, seiner Kapazität angemessen ist, ihm plausibel vorkommt und es sinnstiftend zu erlösen scheint. Ich recherchiere über sein Bedürfnis, sich in einer Gruppe einfinden zu können, durch eine Erzählung einen Platz zugewiesen zu bekommen, diese Erzählung zu übernehmen und weiterzuerzählen. Es konkurrieren unterschiedliche Erzählungen von gesellschaftlichen Gruppen und konkurrierenden Machtverbänden, die versuchen, ihre Erzählung zur dominierenden zu machen und damit ihren Einfluss zu vergrößern, um ihre Interessen durchzusetzen. Darüber, dass Erzählungen nicht aus sich heraus existieren, sondern wir ihre Relevanz und ihren Wahrheitsgehalt aushandeln müssen, um ein soziales Miteinander möglich zu machen, weil wir ohne Sinnstiftung nicht auskommen. Bis hin zu der Frage, welchen, über den Menschen hinausgehenden, strukturellen Zusammenhang es zwischen der technischen Weiterentwicklung, u. a. auch in den sozialen Medien und dem eventuell irreversiblen Erodieren von Konsenserzählungen in unseren heutigen Gesellschaften gibt.«